Kreatives Chaos? Wie selbständige Musiker zu mehr Struktur finden

Kreatives Chaos? Wie selbständige Musiker zu mehr Struktur finden

Ein offenes Auge oder auch Ohr für die künstlerischen Seiten des Leben zu haben, empfinden die meisten Menschen als Geschenk. Wer die Kunst sogar zu seinem Beruf macht und mit Musik sein Geld verdient, gehört zweifellos zu diesem Kreis. Oft aber fällt der Spagat zwischen Kunst und Business nicht leicht, weswegen auf der Bühne alles stimmt, während sich im Büro die Akten stapeln. Verpasste Fristen und Termine jedoch sorgen für Stress, zusätzliche Kosten sowie Unzufriedenheit. Grund genug, für etwas mehr Ordnung zu sorgen.

Kunst braucht Freiraum

Die Kunst lebt von einer gewissen Strukturlosigkeit. Ob Maler, Poeten oder auch Musiker und sogar selbständige Djs: Im Berufsleben eines Künstlers darf es nicht zu „kopflastig“ zugehen. Das hat gleich mehrere Gründe. Wer kreativ wirken möchte, muss dazu in der Lage sein, seine Gedanken schweifen und sich von der Umwelt inspirieren zu lassen. In einem strikt durchgeplanten Berufsalltag jedoch ist das kaum möglich, denn hier dreht sich alles rund um die Einhaltung von Pflichten. Darüber hinaus entsteht oft aus einer scheinbar unsortierten Masse das, was allgemeingültig als Kunst bezeichnet wird. Musik haben in Momenten seelischer Planlosigkeit oft bessere Ideen als während eines Meetings mit einem Konzertveranstalter. Daher ist es nur richtig und wichtig, der Kunst im eigenen Leben Freiraum zu geben und diesen nicht zu verplanen.

Viele Künstler leben gerne in den Tag hinein. Struktur kann hier Mangelware sein.

Viele Künstler leben gerne in den Tag hinein. Struktur kann hier Mangelware sein. (Quelle: SplitShire (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Auch gleicht der Biorhythmus vieler Künstler nicht dem eines „ganz normalen“ Arbeitnehmers im typischen Nine-to-Five-Jobleben. Viele Musiker blühen erst gegen Abend so richtig auf, schreiben Songs, stellen Playlists zusammen oder üben neue Stücke, während der Rest der Welt schon längst in den Betten liegt. Auch hier gilt: Freiheit löst Blockaden, denn Kunst lässt sich nicht erzwingen. Wer schon einmal versucht hat, inmitten eines extrem strukturierten Tages einen emotionalen Song zu schreiben, wir das am eigenen Leib erlebt haben. Daher sollten sich Künstler keinesfalls selbst verleugnen, nur um ihr Business zu regeln. Viel wichtiger ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das wünschenswerte Maß an Unordnung auffangen.

Sinnvolle Unterstützung suchen

Besonders gut funktioniert das mit Menschen an der Seite eines Künstlers, die seine vermeintlichen Defizite kennen und durch aktives Handeln ausgleichen. Das können Freunde sein, die beim Sortieren von Rechnungen helfen oder auch Verwandte, die an die regelmäßige Umsatzsteuer-Voranmeldung erinnern. Wer solche Menschen in seinem Leben hat, kann sich glücklich schätzen, denn dann gibt es stets jemanden, der ein Auge auf die wichtigsten Punkte im Jobleben hat.

Mit der richtigen Unterstützung lässt sich die Selbständigkeit leichter managen.

Mit der richtigen Unterstützung lässt sich die Selbständigkeit leichter managen. (Quelle: rawpixel (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Ist das jedoch nicht der Fall, lautet das Schlüsselwort „delegieren“. Nicht nur im Freundeskreis oder in der Familie lassen sich Personen finden, die beim Strukturieren des Business helfen. Auch gibt es inzwischen viele Dienstleister, die genau diese Aufgabe übernehmen. Virtuelle Assistenten beispielsweise können Musikern viel abnehmen und hierdurch Freiräume schaffen. Sie kümmern sich je nach Vereinbarung um Tätigkeiten wie

  • die Buchhaltung

  • die Akquise,

  • die Korrespondenz,

  • oder auch die Reiseplanung.

Hierdurch fällt es leichter, sich verstärkt auf die Musik zu konzentrieren, ohne dass entscheidende Pflichten im Hinterkopf Blockaden entstehen lassen. Eine ähnliche Unterstützungs-Funktion können selbstverständlich auch Manager oder Steuerberater erfüllen.Das Problem hierbei: Die Musik ist nur selten ein Berufsfeld, in dem sich von Beginn an viel Geld verdienen lässt. Und mangelt es an finanziellen Mitteln, um Dienstleister zu beauftragen, müssen sich Musiker selbst helfen.

Hier kann vor allem hochwertige Software helfen. Es gibt inzwischen einige interessante Anwendungen, die am heimischen PC genutzt werden können und bestimmte Prozesse automatisieren. Rechnungsprogramme beispielsweise, die Kundenadressen einfügen, Umsatzsteuer berechnen und für eine rechtssichere Form sorgen. Manche Anbieter gehen sogar so weit, sich speziell auf Musiker zu konzentrieren und Anwendungen zu entwickeln, die Künstler in ihrer spezifischen Tätigkeit unterstützen. Ein Buchhaltungsprogramm für DJs zum Beispiel lässt sich laut Lexoffice.de über den Browser nutzen und kann entsprechend auch von unterwegs aus genutzt werden. Insbesondere, wenn die eigene Tätigkeit häufige Reisen beinhaltet, ist das entscheidend. Wer nämlich alle administrativen Arbeiten auf Zeitpunkte verschiebt, an denen keine Reise ansteht, wird sich mit einer riesigen Masse an Aufgaben konfrontiert sehen. Das demotiviert und kann die Freude am Job trüben.

Business-Hacks“, die sich leicht umsetzen lassen

Selbst für mehr Struktur zu sorgen, ist eine große Aufgabe, der sich jedoch auch Künstler früher oder später stellen müssen. Einige Tricks helfen dabei, durch kleine Veränderungen mehr Zuverlässigkeit, Planungssicherheit und letztlich auch Professionalität zu schaffen. Das beginnt schon mit der Erstellung von Tagesplänen. Jeder Musiker sollte sich am Vorabend eines Tages etwa zehn Minuten Zeit nehmen, um den nächsten Tag zu planen. Hier sollten alle anstehenden Aufgaben notiert werden. Sie können dann während der folgenden 24 Stunden erledigt und abgehakt werden. Binnen kürzester Zeit entsteht durch das regelmäßige Führen von Tagesplänen ein besseres Verständnis für die zur Verfügung stehende Zeit und es fällt leichter, sich freie Inseln für kreatives schaffen zu sichern.

Kalender zu führen, bringt mehr Ordnung in den Berufsalltag.

Kalender zu führen, bringt mehr Ordnung in den Berufsalltag. (Quelle: Pexels (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Der Tagesplan jedoch kann nur dann wirken, wenn Musiker einen zusätzlichen Kalender führen. Ob auf dem Smartphone oder auch analog: Alle Termine in den kommenden Wochen und Monaten sollten sofort nach ihrer Vereinbarung in diesen Kalender eingetragen werden. Gibt es zusätzliche Informationen wie Adressen, Zeiten oder anderweitige Vereinbarungen, sollten diese direkt notiert und dem Termin beigefügt werden. Beim Schreiben des Tagesplans kann dann der Kalender als „Spickzettel“ dienen.

Ein letzter Tipp für Musiker: Wer sich mit Kunst beschäftigt, ist oft ein Meister des Multi-Tasking. Zeitgleich Gitarre zu spielen, zu singen und mit dem Publikum zu interagieren, fällt mit entsprechender Übung leicht. Im Büro aber sollte Multi-Tasking keine Rolle spielen, denn wie zeit.de berichtet, sinken Leistungsfähigkeit und Konzentration bei der Ausführung mehrerer paralleler Tätigkeiten deutlich. Am Schreibtisch also heißt es, lieber eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen, Störfaktoren abzuschalten und konzentriert bei der Sache zu bleiben. So lässt sich der strukturierte Teil der Selbständigkeit schnell und professionell erledigen.

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