Während sich 5G in Deutschland und vielen anderen Ländern immer weiter verbreitet, wird bereits an der nächsten Mobilfunkgeneration gearbeitet: 6G. Die neue Technologie soll in den kommenden Jahren entwickelt und voraussichtlich gegen Ende dieses Jahrzehnts Realität werden. Doch was bringt das 6G-Netz für Musikfans und insbesondere für das Radio-Streaming?

Was ist das 6G-Netz?
6G ist der Nachfolger von 5G und wird international unter der Bezeichnung IMT-2030 entwickelt. Ziel ist nicht nur eine nochmals deutlich höhere Geschwindigkeit. Auch geringe Latenzzeiten, hohe Zuverlässigkeit und eine möglichst umfassende Konnektivität spielen bei der Entwicklung eine wichtige Rolle.
Die technischen Anforderungen sind enorm. Für IMT-2030 werden je nach Anwendung Spitzen-Datenraten von 50 bis 200 Gbit/s betrachtet. Auch bei der Mobilität gibt es ambitionierte Ziele: Verbindungen sollen in bestimmten Szenarien selbst bei Geschwindigkeiten von 500 bis 1.000 km/h möglich sein.
Für das klassische Radio-Streaming werden solche Datenraten allerdings gar nicht benötigt. Ein Internetradio mit 128 oder 192 kbit/s lässt sich schließlich schon heute problemlos über LTE oder 5G hören. Interessant wird 6G deshalb vor allem durch andere Eigenschaften.
Welche Vorteile könnte 6G beim Radio-Streaming bringen?
Wer zu Hause über WLAN Internetradio hört, dürfte zunächst kaum einen Unterschied feststellen. Anders sieht es unterwegs aus. Beim Radiohören über das Smartphone oder im Auto ist eine stabile Mobilfunkverbindung besonders wichtig.
Fährt man beispielsweise mit dem Auto durch eine Region mit schwankender Netzabdeckung, können Radiostreams heute noch abbrechen oder müssen zwischengespeichert werden. Ähnliches kann bei Zugfahrten auftreten.
6G soll unter anderem eine hohe Zuverlässigkeit und eine möglichst weitreichende Konnektivität ermöglichen. Für Radiohörer könnte das langfristig bedeuten: weniger Unterbrechungen, kürzere Ladezeiten und stabileres Streaming unterwegs.
Gerade beim Internetradio ist das interessant, denn anders als bei UKW oder DAB+ ist man nicht auf die am jeweiligen Aufenthaltsort ausgestrahlten Programme beschränkt.
Radiosender aus aller Welt unterwegs hören
Schon heute lassen sich über das Internet Tausende Radiosender aus verschiedenen Ländern hören. Mit zukünftigen Mobilfunknetzen könnte dies unterwegs noch selbstverständlicher werden.
Wer beispielsweise britische Popmusik und aktuelle Charts hören möchte, kann BBC Radio 1 im Livestream einschalten. Ebenfalls aus Großbritannien kommt Capital FM mit einem Programm rund um aktuelle Hits.
Auch Sprach- und Landesgrenzen spielen beim Internetradio kaum eine Rolle. Französische Hits und internationale Chartmusik gibt es beispielsweise bei NRJ France
Wer lieber einen deutschen Radiosender hören möchte, kann unter anderem 1LIVE im Livestream hören.
Damit zeigt sich ein entscheidender Vorteil des Radio-Streamings: Solange eine Internetverbindung vorhanden ist, kann der Lieblingssender praktisch überall empfangen werden – unabhängig davon, ob er aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder einem anderen Land sendet.
Braucht Internetradio überhaupt 6G?
Für einen normalen Audiostream lautet die Antwort eindeutig: Nein. Bereits LTE bietet genügend Bandbreite, um Internetradio in guter Qualität zu übertragen. 5G stellt noch wesentlich größere Reserven zur Verfügung.
Der mögliche Vorteil von 6G liegt daher weniger darin, dass ein einzelner Radiostream schneller übertragen wird. Entscheidend sind vielmehr die geplante hohe Netzkapazität, Zuverlässigkeit und die Weiterentwicklung der mobilen Konnektivität.
Das könnte vor allem dort interessant werden, wo sehr viele Menschen gleichzeitig das Mobilfunknetz verwenden – beispielsweise in Innenstädten, an Bahnhöfen, bei Konzerten oder großen Veranstaltungen.
Wird 6G UKW und DAB+ ersetzen?
Dass 6G klassische Radioempfangswege vollständig ersetzt, ist derzeit nicht abzusehen. UKW und DAB+ haben einen entscheidenden Vorteil: Ein Sender kann sein Programm gleichzeitig an sehr viele Empfänger ausstrahlen, ohne für jeden einzelnen Hörer einen separaten Internetstream bereitstellen zu müssen.
Internetradio bietet dafür eine wesentlich größere Programmauswahl. Ein Hörer in Deutschland kann innerhalb weniger Sekunden zwischen einem Sender aus London, Paris, New York oder Sydney wechseln.
Die verschiedenen Empfangswege werden deshalb wahrscheinlich noch lange nebeneinander bestehen.
Fazit: 6G könnte mobiles Radio-Streaming noch zuverlässiger machen
Für Internetradio ist bei 6G nicht die enorme maximale Geschwindigkeit der wichtigste Punkt. Schon heutige Mobilfunknetze sind für Audiostreaming schnell genug.
Spannender sind die geplante hohe Zuverlässigkeit, niedrige Latenz und umfassendere Konnektivität. Sie könnten dazu beitragen, dass Radio-Streaming unterwegs noch stabiler und selbstverständlicher wird.
Bis dahin bleibt allerdings noch Zeit: 6G befindet sich weiterhin in der Entwicklung und Standardisierung. Für Radiohörer ist die Richtung trotzdem interessant – denn je zuverlässiger mobiles Internet verfügbar ist, desto einfacher wird es, den eigenen Lieblingssender überallhin mitzunehmen.