
Mein Name ist Tilman Totzke. Wer heute nach „Gitarrenunterricht Düsseldorf“ sucht, wird auf mich stoßen — aber wie ich dahin gekommen bin, hat alles mit einem verregneten Tag in Greifswald zu tun. Es war Ende der 90er, ich war 14 Jahre alt. Kein Smartphone, kein Spotify, kein YouTube. Wenn man damals Musik hören wollte, zog man die Jacke an und ging los. Dass ich eines Tages „als Gitarrenlehrer arbeiten“ würde, hätte ich damals nie gedacht.
Meine Schwester Laura besuchte damals ein Musikinternat in Demmin. Sie war umgeben von Musikverrückten, tauschte sich ständig aus und entdeckte ständig neue Künstler. Ich hingegen hörte Offspring und Nirvana — gut, das waren auch Vorbilder, aber ehrlich gesagt kein Grund, stundenlang an der Gitarre zu verbleiben und zu üben.
Laura machte sich Gedanken, wie sie mich noch mehr für Musik begeistern könnte. Sie fragte in ihrem Umfeld herum und ein Freund von ihr hatte einen klaren Tipp: „Sag ihm, er soll sich Stevie Way anhören.“
Am nächsten Wochenende kam sie nach Hause und legte noch mal nach: „Tilman, ich mein das ernst, Stevie Way ist genau das Richtige für dich.“ Ich nickte verständnisvoll. Stevie Way. Okay. Klingt so mittel, dachte ich. Aber ich behielt es im Hinterkopf.
Danke übrigens an Laura, dass sie nicht locker gelassen hat. 😄
Und dann vergingen Wochen. 90er-Jahre-Teenager-Wochen — also nicht einfach Wochen, sondern gefühlte Zeitalter. Smartphone-lose, internetlose, streaminglose Zeitalter. Wer die 90er kennt, weiß: Wenn man als Teenager was auf später verschob, war später sehr, sehr weit weg.
Irgendwann an einem dieser grauverregneten Nachmittage war mir so langweilig, dass es schon fast wieder interessant war. Ich hatte alle Freunde abgeklappert — niemand hatte Zeit, niemand hatte Lust. Greifswald an einem Regentag als Teenager ist eben Greifswald an einem Regentag als Teenager. Leer.
Also zog ich die Jacke an und lief in die Innenstadt. Zur Dompassage. Denn eines war immer los — der Promarkt. Die bunten Lichter, das Treiben, die CD-Regale. Für einen Teenager in den 90ern war das schlicht das Highlight der Stadt.
Und irgendwo in meinem Hinterkopf — ganz hinten, fast vergessen — war da noch dieser Name. Stevie Way.
Ich ging zur nächsten Verkäuferin und fragte so selbstbewusst wie ein 14-jähriger Teenager eben fragen kann: „Habt ihr was von Stevie Way?“
Sie schaute mich kurz an und sagte ohne zu zögern: „Du meinst Steve Vai. Ja, haben wir.“
Steve Vai. Nicht Stevie Way. Ich versuchte innerlich cool zu bleiben, nickte nur lässig — „Klar, den meinte ich natürlich.“ Aber innerlich dachte ich: Was hat Laura mir da wieder erzählt? Vai. Nicht Way.
Sie führte mich zu den CD-Regalen — und da lagen sie: Fire Garden und The Ultra Zone. Für alle die den Promarkt nicht kennen: Es gab dort damals sogenannte CD-Tresen. Eine Art Theke mit eingebautem CD-Spieler, an der man einfach stehen bleiben und reinhören konnte. Kein Kopfhörer, kein App-Store, kein Algorithmus — nur du, die CD und ein kleiner Lichtschalter im Tisch mit dem man die Lieder skippen konnte.
Die Dame legte Ultra Zone ein und überließ mir den Schalter.
Ich habe nicht geskippt.
Kein einziges Mal. Die erste Note, der erste Ton — und es war als würde sich ein Film in meinem Kopf abspielen. Ich stand da, mitten im Promarkt, Regen draußen — und war einfach weg. Tief beeindruckt. Sprachlos.
Wie kann ein Mensch so Gitarre spielen? Und dann — weil ich kein Internet hatte und diesen Typen schlicht nicht kannte — fragte ich mich allen Ernstes: Wie muss der Typ eigentlich aussehen, der so was spielt?
Beide Alben. Komplett durchgehört. Fire Garden danach noch dazu. Ich stand da wie angewurzelt und wollte diese CDs einfach nicht weglegen.
Aber ich war 14. Und ich hatte kein Geld.
Ich legte die CDs zurück ins Regal — innerlich weinend, äußerlich cool, weil 14-jährige Teenager nunmal keine Gefühle haben — und ging nach Hause.
Wo ich dann sofort und ohne jede Umschweife wie ein aufgeregtes Kind zu meinen Eltern rannte und ihnen haarklein erzählte was ich gerade erlebt hatte, denn es war der wohl beste Moment meines Lebens: „Mama, das war der beste Moment meines Lebens. Steve Vai ist ein Gott.“
Meine Eltern nickten geduldig. Erst Tage lang. Dann Wochen lang. Irgendwann war in ihren Augen zu lesen: Bitte… Hör auf. Wir kaufen dir die CDs.
Und so bekam ich Fire Garden und The Ultra Zone zu Weihnachten. Beide. Mission „Tilman nervt seine Eltern in den Wahnsinn“ — vollständig und erfolgreich abgeschlossen. Ob meine Eltern das genauso sahen? Mir war es ehrlich gesagt egal. Ich hatte die CDs.
Was danach kam? Ich hörte sie den ganzen ersten Tag. Dann die ganze erste Woche. Dann Wochen. Dann Monate. Immer dieselben zwei Scheiben. Immer wieder. Und irgendwann griff ich zur Gitarre — und übte. Freiwillig. Stundenlang. Jeden Tag.
Mir war alles andere egal. Wirklich alles.
Dieser eine verregnete Tag in Greifswald hat mein Leben verändert. Nicht übertrieben — ich meine das wirklich so.
Vorher war Gitarre spielen nett. Danach war Gitarre spielen alles. Der Unterschied? Ein Vorbild. Ein einziger Künstler der mich so tief getroffen hat, dass ich gar nicht anders konnte als zu üben. Nicht weil mich jemand dazu gezwungen hat. Nicht weil es auf dem Stundenplan stand. Sondern weil ich wollte. Weil ich brannte.
Ich saugte alles auf was ich konnte — zuhause, auf der Bühne, und im Unterricht bei meinem damaligen Lehrer. Ich war wie ein Schwamm. Alles was mit Gitarre zu tun hatte wollte ich wissen, verstehen, spielen. Mein Lehrer hatte vermutlich manchmal Mühe mich zu bremsen.
Genau das erlebe ich heute immer wieder bei meinen Schülern. Der Moment wo jemand seinen Steve Vai findet — das kann Jimi Hendrix sein, John Mayer, Slash, oder wer auch immer — ist der Moment wo aus einem Hobby eine Leidenschaft wird. Und genau da entscheidet sich, ob jemand dranbleibt oder irgendwann aufhört. Heute muss man dafür nicht mehr bei Regen zur Dompassage laufen. Auf Surfmusik.de findet ihr rund um die Uhr Gitarrenmusik die genau solche Momente auslösen kann — ob entspannt mit „Radio Art Guitar for Sleep“ oder jazzig mit „Ella Radio Guitar Jazz„. Einfach mal reinhören — vielleicht ist euer Steve Vai nur einen Stream entfernt.
Mein Tipp: Sucht euer Vorbild. Hört Musik. Viel Musik. Lasst euch treffen. Dieser eine Moment im Promarkt hat aus mir einen Berufsmusiker und Gitarrenlehrer gemacht — und ich bin bis heute dankbar dafür.