Im schwedischen Radiomarkt steht ein historischer Einschnitt bevor: Der Privatsender NRJ verliert seine nationale UKW-Sendelizenz. Die schwedische Medienbehörde Mediemyndigheten hat die landesweiten kommerziellen Radiolizenzen für den Zeitraum von 2026 bis 2034 neu vergeben – und dabei den bisherigen Marktteilnehmer NRJ nicht mehr berücksichtigt. Damit endet eine über 30-jährige nationale UKW-Präsenz des Senders in Schweden.
Ab dem 1. August 2026 werden stattdessen die Programme Mix Megapol und Rix FM weiterhin national über UKW verbreitet. Ergänzt wird das Portfolio durch ein neues landesweites Radioprogramm der Zeitung Aftonbladet, die erstmals eine nationale Hörfunklizenz erhält. Die Medienbehörde verfolgt damit das Ziel, mehr inhaltliche Vielfalt in der nationalen Radiolandschaft zu schaffen. Während Mix Megapol und Rix FM weiterhin auf musikbasierte Formate setzen, soll das neue Aftonbladet-Radio stärker journalistisch geprägt sein und zusätzliche Wortanteile ins nationale UKW-Angebot bringen.
Für NRJ kommt diese Entscheidung überraschend. CEO Richard Mazeret äußerte sich in einer Pressemitteilung deutlich enttäuscht und bezeichnete den Lizenzverlust als „Schockbescheid“. Besonders kritisch sieht das Unternehmen die Auswirkungen auf jüngere Zielgruppen, die traditionell zum Kernpublikum von NRJ gehören. Nach Angaben des Senders könnten bis zu 1,5 Millionen Hörerinnen und Hörer vom Wegfall der nationalen UKW-Verbreitung betroffen sein. Zudem stehen potenziell Arbeitsplätze zur Disposition.
Die Entscheidung markiert zugleich einen Paradigmenwechsel in der schwedischen Rundfunkpolitik. Nationale kommerzielle UKW-Lizenzen werden nicht mehr primär nach wirtschaftlichen Kriterien vergeben, sondern verstärkt anhand programmlicher Inhalte und publizistischer Vielfalt bewertet. Die Medienaufsicht begründete die Auswahl der neuen Lizenznehmer damit, dass zwei nationale Musikprogramme ausreichend seien und zusätzlicher Raum für neue inhaltliche Konzepte geschaffen werden müsse.
Auch wenn NRJ seine nationale UKW-Reichweite verliert, bedeutet dies nicht zwangsläufig das vollständige Aus in Schweden. Der Sender kann sich weiterhin um regionale Sendelizenzen bewerben, deren Vergabe im Frühjahr 2026 erfolgen soll. Darüber hinaus bleibt NRJ selbstverständlich über digitale Verbreitungswege wie Webradio und Streaming empfangbar.
Wer die schwedischen Programme weiterhin online hören möchte, findet die Livestreams wie gewohnt im Surfmusik-Verzeichnis:
Mix Megapol: https://www.surfmusik.de/radio/mix-megapol,1323.html
Rix FM: https://www.surfmusik.de/radio/rix-fm,3569.html
NRJ Sweden: https://www.surfmusik.de/radio/nrj-sweden,3570.html
Gerade vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung zeigt sich einmal mehr, wie wichtig alternative Empfangswege geworden sind. Während sich die klassische UKW-Verbreitung zunehmend regulatorischen und strukturellen Veränderungen stellen muss, sichern Online-Streams den Zugang zu beliebten Radiomarken – unabhängig von nationalen Lizenzentscheidungen.
Für den schwedischen Radiomarkt beginnt damit ab 2026 eine neue Phase, in der sich zeigen wird, wie sich veränderte Programmstrategien und neue Anbieter auf die Hörergewohnheiten auswirken.
